? Mindset Shift
? KI sagt: „Lass mal ĂŒber deine Karriere reden.“
Es gibt so Momente, da fĂŒhlt sich die Zukunft nicht aufregend an, sondern eher wie jemand, der unangekĂŒndigt vor der TĂŒr steht. So ungefĂ€hr stelle ich mir das vor, wenn man Jura studiert hat. Zumindest nachdem ich die ZDF-Doku „ForecastME“ gesehen habe. Da hat man sich durch unendliche Gesetzestexte und die stressigsten Examen gequĂ€lt und plötzlich kommt eine KI um die Ecke, die sagt: „Interessant. Wollen wir mal sehen, wie lange dein Beruf noch so funktioniert.“ Autsch.
Genau darum geht es in besagter Doku. Zwei junge Juristen, Flora und Ali, lassen sich von einer KI aufzeigen, wie ihr Job in Zukunft aussehen könnte. Allein diese Idee trifft schon einen Nerv, oder?
Weil es eben nicht nur um Jura geht. Es geht um dieses GefĂŒhl, das vermutlich ganz viele gerade haben: Was von dem, was ich heute kann, wird morgen noch wichtig sein? Und was davon macht bald irgendein KI-Tool schneller und besser?
KI klingt natĂŒrlich erstmal praktisch. Gerade bei Recherchen, Routineaufgaben, Vorbereitungen sind viele Tools bereits effizienter als Menschen. Super. Aber gleichzeitig fragt man sich auch: „Wozu bin ich dann noch hier?“
Das Video zeigt, KI kann gerade im Rechtsbereich schon ziemlich viel. MietvertrĂ€ge prĂŒfen, Standardfragen beantworten, erste EinschĂ€tzungen liefern. Beeindruckend, aber auch unbequem. Denn viele Aufgaben, auf die wir heute Zeit anwenden, sind vielleicht gar nicht so unersetzlich, wie wir denken. Insbesondere alles, was nach einem bestimmten Muster funktioniert, wiederholbar ist und klare Regeln hat, lĂ€sst sich gut automatisieren. Das kann weh tun, denn Arbeit ist fĂŒr viele ja nicht nur Geld verdienen, sondern auch IdentitĂ€t, Kompetenz und das GefĂŒhl gebraucht zu werden. Wenn sich dann eine KI genau in diesen Bereich reindrĂ€ngelt, fĂŒhlt es sich persönlich an.
Und jetzt kommt das dicke ABER. Die Doku zeigt auch, dass der Mensch nicht einfach aus der Gleichung verschwindet. Denn deine Arbeit ist nicht nur „Wenn A, dann B“. Ăbernehmen wir doch mal das Beispiel des Anwalts: Menschen kommen nicht nur mit FĂ€llen, sondern eben auch mit Ăngsten, Stress, Wut, Unsicherheiten. Und dann braucht es jemanden, der nicht nur Informationen sortieren kann, sondern die Situation gefĂŒhlsmĂ€Ăig versteht. Und hier kommen wir wieder ins Spiel.
Eine KI kann vielleicht sagen, was im Vertrag steht, aber sie kann nicht zwischen den Zeilen lesen. Sie kann keine Verantwortung ĂŒbernehmen, wenn es ernst wird. Ich finde, genau hier wird es spannend. Nicht bei der Frage, ob KI etwas kann, sondern bei der Frage, was Menschen besser können. Wir mĂŒssen gar nicht darum kĂ€mpfen, jede einzelne Aufgabe zu behalten. Wir mĂŒssen zuhören, einordnen, abwĂ€gen, Verantwortung ĂŒbernehmen, KomplexitĂ€t aushalten und Entscheidungen treffe, wenn eben nicht alles eindeutig ist.
Was du dir behalten solltest:
KI wird nicht irgendwann Teil deiner Arbeitswelt. Sie ist es schon. Und ja, deine Standardaufgaben werden sicher unter Druck geraten, aber das heiĂt nicht automatisch, dass dein Beruf einfach so verschwindet. Es heiĂt eher, dass dein Job ein Upgrade bekommt. Vielleicht willst du es gar nicht, aber du bekommst es trotzdem.
Frag dich also „Welche Teile meines Jobs sollte und kann KI ĂŒbernehmen und welche auf keinen Fall?“
Denn wer KI nur ignoriert, wird es schwer haben. Nicht weil Menschen plötzlich wertlos werden, sondern weil sich die Standards verschieben. Heute ist niemand mehr beeindruckt, wenn man gut googeln kann. Es wird einfach erwartet. Mit KI wird es vielleicht genauso.
Wenn du mich fragst…
Der Gedanke, dass KI uns pauschal ersetzt, ist zu simpel. Aber ich glaube, dass Menschen ersetzt werden, die sich gegen VerĂ€nderung strĂ€uben. Das klingt hart, aber es gibt auch Hoffnung, denn es bedeutet, dass wir nicht machtlos sind. Wir mĂŒssen keine Tech-Genies werden. Wir mĂŒssen nicht jeden Hype mitmachen und wir mĂŒssen nicht alles in einen Prompt verwandeln. Aber wir sollten neugierig bleiben, uns mit neuen Dingen auseinandersetzen, Fragen stellen und versuchen zu verstehen.
Menschlichkeit ist kein Soft Skill, den du ans Ende deines Lebenslaufes schreiben solltest. Sie ist das, was deine Arbeit in einer KI-geprÀgten Welt wertvoll macht.