🧠 Mindset Shift
Viel beschäftigt, aber was bringt das wirklich? 💻
Mal kurz ehrlich: „Zwei Drittel der Beschäftigten täuschen Produktivität vor.“ (Handelsblatt) – klingt erstmal wie eine überzogene Schlagzeile. Wenn man aber mal darüber nachdenkt, ist da eigentlich schon was dran.
Denn wie oft fühlt sich deine Arbeit nach super viel an, aber am Ende war der Outcome eher gering? Das liegt in den meisten Fällen nicht an unmotivierten Mitarbeitenden, sondern daran, wie Arbeit heute organisiert und bewertet wird.
Warum „beschäftigt sein“ oft wichtiger wirkt als etwas zu erreichen
Früher war Produktivität relativ klar messbar. Es ging um Ergebnisse, Fortschritt, konkrete Wirkung. Heute hat sich einiges geändert: Oft reicht es schon aus, wenn es so aussieht, als würde jemand viel arbeiten. Wenn schnell antwortet, häufig in Meetings auftaucht und dauerhaft präsent ist, wird als besonders produktiv wahrgenommen. Das Problem dabei ist allerdings, dass Sichtbarkeit uns tatsächliche Wirkung nicht dasselbe sind. Nur weil jemand viel beschäftigt ist, heißt das nicht, dass Fortschritt entsteht. In vielen Arbeitsumfeldern wird genau dieses Verhalten jedoch belohnt. Präsenz wird mit Engagement gleichgesetzt und Aktivität mit Leistung.
Zurück ins Büro! Aber mit welchem Ziel?
Viele Unternehmen holen ihre Mitarbeitenden aktuell wieder verstärkt ins Büro zurück. Die Gründe dafür sind ja auch nachvollziehbar. Es geht um bessere Zusammenarbeit, mehr Austausch und stärkere Teams. In der Praxis sieht das jedoch meist anders aus. Menschen sitzen zwar im selben Raum, arbeiten aber weiterhin an individuellen Aufgaben. Gespräche finden trotzdem digital statt und echte Zusammenarbeit entsteht leider selten. In solchen Situationen stellt sich zwangsläufig die Frage, welchen Mehrwert Anwesenheit im Büro überhaupt hat. Wenn sich die Arbeit vor Ort nicht von der im Home Office unterscheidet, verliert Präsenz ihren eigentlichen Sinn.
Mehr Präsenz führt nicht automatisch zu mehr Produktivität
Wenn Anwesenheit als Leistungsindikator genutzt wird, passen die Menschen ihr Verhalten entsprechend an. Sie versuchen sichtbarer zu sein, schneller zu reagieren und möglichst beschäftigt zu wirken. Das führt zu einem paradoxen Effekt. Je stärker Präsenz eingefordert wird, desto mehr Energie fließt in die Darstellung von Arbeit, anstatt in die tatsächliche Wirkung. Was entsteht, ist eine Art Inszenierung von Produktivität. Der Fokus verschiebt sich weg von Ergebnissen hin zu Wahrnehmung.
Wie Büroarbeit eigentlich aussehen sollte
Mitarbeiter stellen das Büro meist nicht infrage. Sie hinterfragen vielmehr den Sinn ihrer Anwesenheit. Der eigentliche Mehrwert von gemeinsamer Arbeit liegt nicht im Abarbeiten von Aufgaben, sondern in Dingen, die remote schwerer entstehen: spontane Gespräche, gemeinsames Problemlösen und kreative Prozesse. Bürozeit ist keine Arbeitszeit wie jede andere. Sie ist vor allem Zeit für Austausch und Zusammenarbeit. Statt darüber zu diskutieren, wie oft Mitarbeitende ins Büro kommen sollten, wäre es dann nicht sinnvoller, sich zu fragen, wofür es sich lohnt, gemeinsam vor Ort zu sein?
Mein Take: Präsenz an sich ist nicht das Problem. Problematisch wird es erst dann, wenn sie ohne klaren Zweck eingefordert wird. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Bürozeit sinnvoll zu gestalten. Denn wenn der Fokus auf Ergebnisse statt Anwesenheit gelegt wird, macht sich das auch beim Outcome bemerkbar.